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St. Thomas Morus

Heiliger Thomas Morus

Thomas Morus Brief an seine Tochter

Die Parrkirche St. Thomas Morus im jüngeren Teil des Tannenbusches ist die jüngste der acht Kirchen. 
Am 24.3.1985 wurde sie auf den Namen St. Thomas Morus geweiht. Nach ausführlichen Überlegungen in den verschiedenen Gruppen und Gremien der jungen Gemeinde einigten sich alle Beteiligten auf diesen Patron der Kirche und Gemeinde.

Der Geburtstag von Thomas More lässt sich nicht genau datieren. 1477/78 ist er in London zur Welt gekommen. Im Haushalt von Erzbischof Kardinal John Morton, dem späteren Erzbischof von Canterbury und Lordkanzler unter Heinrich VII., wächst Thomas More auf. Er studiert Jura am Londoner Lincoln´s Inn, beschäftigt sich gleichzeitig wie viele Humanisten seiner Generation mit den Schriften der Antike und nennt sich Thomas Morus. 
Eine Zeit lang lebt er zurückgezogen ein geistliches Leben in einer Londoner Kartause. In dieser Zeit prüft er, ob er zum Priester berufen ist. Für ihn klärt sich, dass er zu Ehe und Vaterschaft berufen ist. Mit 26 Jahren heiratet er Joan Colt, die schon sechs Jahre nach der Hochzeit stirbt. Zeitzeugen schildern Thomas Morus als einen sehr fürsorglichen Familienvater seiner drei Töchter Margaret, Elisabeth, Cecily und seines Sohnes John. Ungewöhnlich für seine Zeit ist sein Einsatz für eine gute Schulbildung und Ausbildung auch seiner Töchter.

Er wird ein gesuchter Rechtsanwalt und später Richter. Am Hof König Heinrich VIII. macht er eine steile Karriere und wird Lordkanzler. Nach dem Zerwürfnis mit Papst Clemens VII. gründet Heinrich VIII. die anglikanische Kirche, deren Oberhaupt er von jetzt an selbst ist. Wie auch Bischof John Fischer verweigert Sir Thomas Morus dem König einen geforderten Eid. Er wird daraufhin im Londoner Tower eingekerkert. Zum Tod verurteilt, wird er am 6.7.1535 enthauptet. Seine Tochter Margaret gibt sein Haupt in die Kirche St. Dunstan in der Diözese Canterbury.

Für Thomas Morus war es unabdingbar, seinem Gewissen zu folgen, auch wenn es ihm Nachteile einbringen sollte. Sein gewachsener und gereifter Glaube an Jesus Christus gab ihm auch die Kraft, die Zeit im Gefängnis zu ertragen, wie seine Briefe, die er aus dem Gefängnis schrieb, eindrucksvoll belegen.
Er gilt auch als ein sehr humorvoller Mensch. Eine Anekdote erzählt, dass er sogar noch seinen Henker gebeten habe, beim Zuschlagen auf seinen Bart aufzupassen. Der habe schließlich nichts Verwerfliches getan. Ein Gebet um Humor, das von ihm stammt, findet sich im Gotteslob (8,3 Seite 35).
Weltruhm erlangte seine Schrift „Utopia“, in der Thomas Morus die Idee eines idealen „Inselstaates im Land Nirgendwo“ entwickelt, der ganz auf den Tugenden von Glaube, Hoffnung und Liebe gründet.   Seine Heiligsprechung erfolgte im Jahr 1935. Wegen seiner Gradlinigkeit und Gewissenstreue ist er u.a. Patron des katholischen Jugendverbandes „KJG“. Sein Gedenktag in der katholischen Kirche ist der 22. Juni, in der anglikanischen Kirche der 6.Juli.

Quelle: H. Schulte Herbrüggen, Lexikon für Theologie und Kirche, Bd.7

~ Hermann Bartsch

St. Thomas Morus

1478
Thomas More (latinisiert Morus) wird am 7. Februar in London geboren. Der Sohn eines Richters besucht eine Lateinschule und arbeitet als Page im Haushalt des Lordkanzlers, Erzbischof John Morton von Canterbury. Dieser schickt ihn nach Oxford, wo er Latein und Griechisch studiert.
1496
Thomas More besucht die Rechtsschule Lincoln's Inn in London. Er lebt als Laie im benachbarten Karthäuserkloster.
1498
Beginn der lebenslangen Freundschaft mit Erasmus von Rotterdam. 
1501
Thomas More wird als Anwalt zugelassen, widmet sich aber auch der Schriftstellerei. Er schreibt lateinische und englische Gedichte. 
1503
More wird Parlamentsmitglied.
1505
More heiratet Joan Colt. Der Ehe entstammen drei Töchter und ein Sohn, die eine umfassende Bildung erhalten. Die Tochter Margret gilt als eine der gelehrtesten Frauen ihrer Zeit. Als Joan 1511 stirbt, heiratet More Alice Middleton.
1509
Erasmus widmet Thomas More die Bildungssatire "Lob der Torheit".
1510-18
More arbeitet als einer der zwei Undersheriffs der City of Cardiff. Er gilt als ehrlicher und eifriger Beamter.
1516
More verfasst das 1. Buch der "Utopia" („Vom besten Zustand des Staates oder von der neuen Insel Utopia“). Das Buch wird in Löwen gedruckt und schnell in mehrere Sprachen übersetzt.
1517
More tritt als Counsellor (Rechtsberater) in den Dienst von Heinrich VIII.
1518
More wird Mitglied des Geheimen Rates.
1521
In diplomatischer Mission verhandelt er beim „Damenfrieden von Cambrai“, der den Krieg zwischen Kaiser Karl V. und König Franz I. von Frankreich beendet. Er wird zum Ritter geschlagen und Undertreasurer, Leiter der Finanzverwaltung.
1523
More wird Speaker (Sprecher) des Unterhauses und High Steward (Verwalter) der Universitäten Oxford und Cambridge.
1525
More wird Kanzler des Herzogtums Lancaster. Damit beaufsichtigt er die Rechtsprechung des größten Teils Nordenglands.
1527
Der deutsche Maler Hans Holbein ist ein Jahr lang Gast im Haushalt der Mores.
1529
More wird Lordkanzler als Nachfolger Kardinal Wolseys, der Heinrichs Wunsch nach Annullierung seiner Ehe mit Katharina von Aragonien widersprochen hatte.

Er verteidigt den König gegen niveaulose Angriffe Martin Luthers als Reaktion auf Heinrichs Schrift zur "Verteidigung der sieben Sakramente", für die ihm der Papst den Titel "defensor fidei - Verteidiger des Glaubens" verlieh.

Um die gewünschte Scheidung von Katharina und Heirat mit Anne Boleyn zu ermöglichen, entwickelt eine Gruppe um Thomas Cromwell, Thomas Cranmer und die Familie Boleyn die Idee einer „Suprematie“ des Königs über die Kirche von England und gewinnt immer mehr Einfluss im königlichen Rat.

More widersetzt sich diesen Plänen.
1531
Die Leitung der englischen Kirche unterwirft sich am 15. Mai der Suprematie des Königs, am Tag darauf legt More das Amt des Kanzlers nieder. Er will sich ins Privatleben zurückziehen.
1533
Heinrich VIII. heiratet im Januar Anne Boleyn, die am 1. Juni gekrönt wird. More bleibt der Zeremonie fern.
1534
More verweigert vor dem Kronrat den Eid auf den Act of Succession, der die Kinder aus des Königs zweiter Ehe legitimiert und die Autorität des Papstes im Bereich der englischen Kirche ablehnt. Er wird im Londoner Tower inhaftiert, das Parlament zieht sein Vermögen ein und verhängt die Acht über ihn.
1535
More wird von einem Sondergericht als Hochverräter zum Tode verurteilt und am 6. Juli auf dem Tower Hill hingerichtet. Sein Körper wird in der Kapelle St. Peter ad Vincula im Tower begraben. Sein Kopf wird einen Monat lang auf der London Bridge ausgestellt und von seiner Tochter Margaret Roper geborgen. Er ist in St. Dunstan, Canterbury beigesetzt.
1886
wird Thomas More selig,
1935
heilig gesprochen.

~ Markus Höyng

St. Thomas Morus Kirche

Das noch als Filialkirche von St. Paulus, Alt-Tannenbusch, errichtete Gotteshaus (1984, Architekt Karl Josef Ernst, Zülpich) prägt die große Straßenkreuzung des damals erweiterten Wohngebietes Bonn Tannenbusch. Der moderne, weiß verputzte Kirchenbau hat keinen Glockenturm. Ein großes Kreuz an der hochaufragenden, geschlossenen Chorwand zur Straßenecke hin verweist auf die christliche Bedeutung.
Der Eingangsbereich dieses nahezu quadratischen Zentralbaus liegt auf der gegenüberliegenden Seite. Angrenzende Pfarrbauten und Kirche öffnen sich von hier zu einer weiträumigen Platzanlage, die lange gemeinsam mit der evangelischen Epiphanias-Gemeinde genutzt wurde.

Im Gegensatz zum Chor wirkt die Eingangsfront der Kirche sehr offen. Horizontale Fensterbänder und eine pagodenähnliche Verdachung bilden den oberen Gebäudeabschluss. Durch eine lichtdurchflutete Eingangshalle gelangt man in den Innenraum.
Der Chorbereich befindet sich diagonal gegenüber, die Holzdecke steigt zum Chor hin stark an. Seitliche Ausnischungen rechts nehmen eine Marienkapelle und die Orgel auf. Eine große Sängerempore links ragt fast freischwebend weit in den Raum hinein. Die Fenster, teils vertikal, geometrisch und wenige figural gestaltet,
schuf die Glasmalerin Maria Katzgrau, Aachen; das "Sonnenfenster" (1992) K. Jörres, das Fenster "Morgenstern" (1995) H. Linden, beide Bonn. Weitere Ausstattung: Orgel (1994) Klais, Bonn; Chorausstattung, Marmor und Bronze (1984), Olaf Höhnen, Frechen; Taufbecken (1990) und Kreuzigungsgruppe (2004) Sepp Hürten, Köln; Bronze-Kreuzweg (1995) Walter Mellmann, Osnabrück. Unbekannter Zuschreibung sind die Konsolfigur Maria-Himmelskönigin und eine Pieta. 1991 wurde die Schutzmantelmadonna aus Lindenholz erworben, eine Nachbildung der "Ravensburger Madonna" von 1480.

Text-Quelle: Christel Diesler in: Diesler u. a., Weihnachtskrippen in 63 Bonner Kirchen und Kapellen, ISBN 978-3-931739-63-8, Hrsg.: Katholisches Bildungswerk Bonn 2014

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Einladend erhebt sich die Pfarrkirche St. Thomas Morus hinter den Bäumen des Kirchplatzes, der als halbierter Kreis an die evangelische Epiphaniaskirche erinnert, die 2015 durch Wohnbauten ersetzt wurde.
Dieses ehemals ökumenische Kirchenzentrum entstand neben Tannenbusch-Center und S-Bahn-Haltestelle im Mittelpunkt der Großwohnsiedlung Neu-Tannenbusch, die seit Anfang der 70er Jahre im Norden der damaligen Bundeshauptstadt realisiert wurde. Zunächst Inbegriff modernen Wohnens,  sind heute auch Hochhäuser mit prekären Wohnverhältnissen. Mehr als 60% der Einwohner sind Migranten aus 120 Nationen, viele davon Studie-rende.
1984 wurde das von Karl Josef Ernst entworfene Kirchengebäude errichtet. Die gläserne Eingangsfront zieht den Blick ins Innere, das im gegenüber liegenden Altarraum zu einer von außen nicht vermuteten Höhe aufsteigt, dominiert von der 2004 vom Kölner Bildhauer Sepp Hürten geschaffenen Kreuzigungsgruppe aus Bronze.
Der Kopf Jesu wird von einer übergroßen Dornen-Krone umspannt. Maria und Johannes weisen auf den Erlöser, dessen Kreuzestod auf einer Hoffnung basiert, die Sepp Hürten im Sockel mit einer 2. Krone andeutet - einer antiken corona triumphalis - dem Lorbeerkranz der römischen Imperatoren. Schon im frühen Christentum wurde dieses Siegeszeichen auf Christi Sieg über den Tod gedeutet.
Von der großen Chorempore schweift der Blick über die lichtdurchflutete Eingangshalle zur mächtigen Orgel, die 1994 von der Bonner Firma Klais gebaut wurde. Rechts daneben das Auferstehungsfenster von Karl Jörres sowie das Hans Holbein nachempfundene Glasportrait des Kirchen- und Pfarrpatrons Thomas Morus, das Maria Katzgrau entworfen hat. Ebenso wie die Darstellung der Taube, die nach dem Ende der Flut mit dem Ölzweig zur Arche zu-rückkehrt. Am Taufbecken findet sich das Original einer Ikone, die Christus, den Weinstock zeigt, umgeben von den Patronen der acht Kirchen, die zur heutigen Kirchengemeinde gehören.
Seit 2013 ist dieses sich bescheiden in die Umgebung einfügende Gotteshaus die Pfarrkirche von mehr als 16.000 katholischen Christen im Bonner Nordwesten.

Ihr Kontakt zu uns

Pastoralbüro St. Thomas Morus

Pommernstr.1
53119 Bonn

Pfarrheim St. Thomas Morus

Pommernstr. 1
53119 Bonn